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US-Vizepräsident und Ehefrau unerwünscht: Grönland setzt ein Zeichen gegen amerikanische Anmaßung

DMZ –  POLITIK  ¦ Anton Aeberhard ¦

KOMMENTAR

 

Ein Tourismusunternehmen in Grönland hat eine klare Botschaft an die USA gesendet: Die Ehefrau des US-Vizepräsidenten, Usha Vance, ist in ihrem Geschäft nicht willkommen. Das Unternehmen Tupilak Travel informierte das US-Konsulat darüber, dass der geplante Besuch nicht erwünscht sei. In der Begründung hieß es, man wolle keine "inszenierte Medienaufmerksamkeit" fördern. Der Facebook-Post des Unternehmens schloss mit den Worten: "Grönland gehört den Grönländern."

 

Arrogante US-Ambitionen stoßen zurecht auf massiven Widerstand

Der Vorfall ist kein Einzelfall, sondern reiht sich in eine lange Geschichte fragwürdiger US-Eingriffe in Grönland ein. Der aktuelle US-Präsident Donald Trump hat mehrfach den Wunsch geäußert, Grönland den USA einzuverleiben. Noch in diesem Monat erklärte er gegenüber dem Kongress, dass dies "früher oder später" geschehen werde, da es für die nationale Sicherheit der USA von Vorteil sei. Diese offenen imperialistischen Fantasien stoßen jedoch auf massiven Widerstand. Eine Umfrage aus dem Januar, durchgeführt für die dänische Zeitung Berlingske und die grönländische Sermitsiaq, ergab, dass 85 Prozent der befragten Grönländer einen Beitritt zu den USA ablehnen.

 

Dänemark und Grönland wehren sich gegen US-Druck

Nicht nur die grönländische Bevölkerung, sondern auch die Regierungen in Nuuk und Kopenhagen lehnen das aggressive Auftreten Washingtons entschieden ab. Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen bezeichnete den Druck aus den USA als "inakzeptabel" und versicherte, dass sich Dänemark und Grönland dagegen zur Wehr setzen würden.

 

Ein diplomatisches Debakel: Die peinliche Kehrtwende der USA

Am Dienstag verkündete Vizepräsident JD Vance, dass er seine Frau auf ihrer Reise begleiten werde. In einem Video auf X (ehemals Twitter) erklärte er: "Es gab so viel Begeisterung für Ushas Besuch in Grönland, dass ich entschieden habe, sie nicht allein all den Spaß haben zu lassen." Doch aus dem geplanten Besuch der grönländischen Gesellschaft wurde nichts. Nach massiver Ablehnung durch grönländische Stellen verlegten die USA das Programm kurzerhand auf die Pituffik Space Base, eine US-Militärbasis im Nordwesten Grönlands. Die einst großspurig angekündigte Reise mutierte zu einem internen Militärtreffen.

Sicherheitsinteressen oder geopolitische Machtdemonstration?

Das Weiße Haus rechtfertigte die Reise mit "strategischen Interessen" und verwies auf die lange militärische Präsenz der USA in Grönland. Bereits im Zweiten Weltkrieg bauten die USA dort Basen, später wurden sie während des Kalten Krieges weiter ausgebaut. Angeblich gehe es heute um den Schutz Grönlands vor geopolitischen Rivalen. Doch Kritiker sehen darin lediglich eine Fortsetzung der US-Strategie, sich in fremde Angelegenheiten einzumischen und ihre Vormachtstellung auszubauen.

 

Grönlands Regierung: "Amerikanische Aggression nimmt zu"

Die grönländische Regierung reagierte eindeutig auf den US-Versuch, Einfluss zu gewinnen. In einer offiziellen Mitteilung hieß es: "Es wurden keine Einladungen für Besuche ausgesprochen, weder private noch offizielle." Der scheidende Premierminister Grönlands, Mute Egede, fand noch deutlichere Worte: "Wenn unsere Verbündeten nicht laut und deutlich gegen das Vorgehen, was die USA mit Grönland machen, wird sich die Lage Tag für Tag zuspitzen, und die amerikanische Aggression wird zunehmen." Er warnte davor, dass die bloße Anwesenheit hochrangiger US-Vertreter nur eine weitere Eskalation der Spannungen mit sich bringen werde.

 

Die Botschaft aus Grönland ist klar: Die Zeiten, in denen sich die USA ungefragt in die Angelegenheiten anderer Länder einmischten, sind vorbei. Die Absage des Besuchs ist nicht nur ein symbolischer Akt, sondern ein deutliches Zeichen für Souveränität und Widerstand gegen amerikanische Anmaßung.


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