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Beispielloses Sicherheitsleck: Trump-Regierung schickte versehentlich Kriegspläne an Journalisten

DMZ –  POLITIK ¦ Anton Aeberhard ¦

 

Ein folgenschweres Kommunikationsdesaster innerhalb der US-Regierung hat für Aufsehen gesorgt: Durch ein versehentliches Leck erhielt der Journalist Jeffrey Goldberg bereits zwei Stunden vor einem US-Luftschlag im Jemen detaillierte Informationen zu den Angriffsplänen. Diese Panne offenbart gravierende Sicherheitsmängel in der Trump-Administration und wirft drängende Fragen zur Nutzung nicht gesicherter Kanäle für geheimdienstliche Kommunikation auf.

 

Ein verhängnisvoller Fehler

Am 15. März um 11:44 Uhr erhielt Goldberg eine Nachricht von Verteidigungsminister Pete Hegseth, die nicht nur Waffenpakete und Angriffsziele, sondern auch den genauen Zeitplan der bevorstehenden Bombardierungen enthielt. Zunächst schien es sich um einen Irrtum zu handeln. Doch als zwei Stunden später die Bomben fielen, wurde klar: Ein beispielloses Sicherheitsleck hatte einem Journalisten unbeabsichtigt Einblick in hochgeheime militärische Operationen gewährt.

 

Der Hintergrund: Eskalation im Jemen

Nach der Hamas-Invasion in Israel im Oktober 2023 intensivierten die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen ihre Angriffe auf Israel und den internationalen Schiffsverkehr. Während die Biden-Regierung 2024 noch zögerte, setzte die neu gewählte Trump-Administration auf eine aggressive Militärstrategie.

 

Am 11. März erhielt Goldberg eine Kontaktanfrage über die verschlüsselte Messaging-App Signal von einem Nutzer, der sich als Michael Waltz, Nationaler Sicherheitsberater von Präsident Donald Trump, ausgab. Wenige Tage später wurde er in eine Gruppe namens "Houthi PC small group" aufgenommen, in der hochrangige Regierungsmitglieder offenbar militärische Maßnahmen diskutierten. Zu den Teilnehmern zählten unter anderem "JD Vance" (Vizepräsident), "Pete Hegseth" (Verteidigungsminister) und mutmaßlich auch "Marco Rubio" als Außenminister.

 

Interne Debatten vor dem Angriff

Am 14. März fand in der Gruppe eine intensive Debatte über die militärische Reaktion statt. Vizepräsident Vance warnte vor negativen wirtschaftlichen Folgen, da nur drei Prozent des US-Handels den Suezkanal passierten, während Europa mit 40 Prozent wesentlich stärker betroffen sei. Hegseth argumentierte dagegen, dass der Angriff die Freiheit der Schifffahrt sichern und eine klare Abschreckung gegenüber dem Iran signalisieren würde. Auch die finanzielle Beteiligung Europas wurde thematisiert.

 

Am Morgen des 15. März versendete Hegseth schließlich ein "TEAM UPDATE" mit genauen Angriffsdetails, die zwei Stunden später umgesetzt wurden. Um 13:55 Uhr meldeten erste Quellen auf X Explosionen in Sanaa, Jemens Hauptstadt. Die Operation hatte begonnen. In der Signal-Gruppe folgten Glückwünsche hochrangiger Regierungsmitglieder. Die Huthi-Regierung meldete später 53 Tote, eine Zahl, die unabhängig noch nicht bestätigt wurde.

 

Ein gravierendes Sicherheitsproblem

Nach der Bombardierung verließ Goldberg die Signal-Gruppe, was eine automatische Benachrichtigung auslöste. Erst zu diesem Zeitpunkt schienen die Beteiligten zu realisieren, dass ein Journalist Teil der Gespräche war. Anfragen an die beteiligten Regierungsmitglieder blieben weitgehend unbeantwortet. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Brian Hughes, bestätigte lediglich, dass die Gruppe authentisch sei und ein "bedauerlicher Fehler" vorliege. Die nationale Sicherheit sei jedoch nicht in Gefahr gewesen.

 

Experten bewerten den Vorfall anders. Laut Jason R. Baron, ehemaliger Direktor bei den National Archives, könnte die Nutzung von Signal für geheime Staatsgeschäfte gegen den Espionage Act verstoßen. Zudem verletzen selbstlöschende Nachrichten möglicherweise Archivierungsbestimmungen. Das Leck könnte schwerwiegende politische und rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

 

Parallelen zur Clinton-Affäre?

Der Skandal ruft Erinnerungen an Trumps frühere Kritik an Hillary Clinton wach, deren Nutzung eines privaten E-Mail-Servers als gravierende Bedrohung der nationalen Sicherheit dargestellt wurde. Nun könnte sich seine eigene Regierung in einem ähnlichen sicherheitspolitischen Skandal wiederfinden.

 

Die Welt blickt gespannt auf Washington und erwartet Antworten: Wie konnte es zu einem solchen Sicherheitsleck kommen? Warum wurde ein ungesicherter Kanal für die Kommunikation genutzt? Und welche Konsequenzen wird die Regierung ziehen?


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