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Misinformation und radikal-rechte Populisten: Wie politische Eliten die öffentliche Wahrnehmung manipulieren

DMZ – POLITIK ¦ Sarah Koller ¦      

 

In einer faszinierenden Studie von Petter Törnberg und Juliana Chueri wird untersucht, wie radikal-rechte Populisten Fehlinformationen gezielt verbreiten, um die öffentliche Wahrnehmung zu manipulieren. Die beiden Forscher haben dazu eine beeindruckende Datenanalyse durchgeführt, die 32 Millionen Tweets von Parlamentariern aus 26 Ländern über einen Zeitraum von sechs Jahren umfasst. Ihre Ergebnisse werfen ein Schlaglicht auf die komplexen Mechanismen, mit denen politische Eliten, insbesondere radikal-rechte Populisten, in der heutigen digitalen Ära das Vertrauen in demokratische Institutionen untergraben.

 

Populismus und Misinformation: Eine gefährliche Symbiose

Obwohl populistische Rhetorik weltweit weit verbreitet ist, kommt die Verbreitung von Fehlinformationen besonders bei radikal-rechten Populisten zum Vorschein. Diese Bewegungen zeichnen sich durch eine besonders starke Neigung aus, Fehlinformationen zu verbreiten – weitaus mehr als ihre moderateren oder linken Gegenstücke. Was Törnberg und Chueri in ihrer Studie herausfinden, ist, dass diese politischen Strömungen Fehlinformationen nicht nur verbreiten, sondern sie als Werkzeug benutzen, um ihre Agenda zu fördern und das Vertrauen in etablierte demokratische Institutionen zu untergraben.

 

Populisten, insbesondere der radikal rechten Ausprägung, haben ein besonderes Talent dafür entwickelt, das politische System und die Mainstream-Medien als feindliche Akteure darzustellen. Diese Strategie ist nicht nur rhetorisch, sondern schafft eine Atmosphäre, in der Fehlinformationen gedeihen und gezielt eingesetzt werden, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

 

Ein tieferer Blick auf politische Fehlinformation

Mit einer Fülle an Daten aus Twitter, Parlgov und der V-Dem-Datenbank machten die Forscher eine bemerkenswerte Entdeckung: Fehlinformationen werden vor allem von radikal-rechten Parteien verbreitet, die diese als strategisches Mittel nutzen. Was zunächst wie ein zufälliges Phänomen erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als kalkulierte Manipulation. Politische Fehlinformationen sind in diesem Fall kein Zufall, sondern vielmehr ein fester Bestandteil der Kommunikationsstrategie von Populisten, die so das Vertrauen der Bürger in die Medien und das politische System insgesamt untergraben wollen.

 

Misinformation als politisches Werkzeug

Törnberg und Chueri argumentieren, dass Fehlinformationen weit mehr sind als nur unabsichtliche Fehler oder Missverständnisse – sie sind ein politisches Instrument. In der heutigen Medienlandschaft, in der soziale Netzwerke immer mehr als Plattformen für politische Kommunikation genutzt werden, können radikal-rechte Populisten direkt mit ihrer Wählerschaft kommunizieren, ohne die Kontrolle der traditionellen Medien. Dies eröffnet einen Raum, in dem manipulierte oder falsche Informationen gezielt verbreitet werden können.

 

Ein zentraler Aspekt ihrer Studie ist die Erkenntnis, dass die Verbreitung von Fehlinformationen ein langfristiges politisches Ziel verfolgt: Wähler zu mobilisieren, die politische Agenda zu beeinflussen und alternative Wahrheiten zu schaffen, die die bestehenden gesellschaftlichen Normen in Frage stellen. In diesem Kontext wird Fehlinformation zu einem strategischen Mittel, das die Wahrnehmung der Realität verzerrt und das Vertrauen in die bestehenden Institutionen destabilisiert.

 

Radikal-rechter Populismus und seine Auswirkungen auf die Demokratie

Die Verbreitung von Fehlinformationen hat tiefgreifende Auswirkungen auf das Vertrauen in die Demokratie. Wähler, die wiederholt mit falschen Informationen konfrontiert werden, verlieren das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Medien und die Legitimität demokratischer Institutionen. Das Ergebnis ist eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft und die Schwierigkeit, auf fundierte, sachliche Entscheidungen hinzuarbeiten. In der Folge schwächt sich das demokratische System zunehmend, da der Dialog von Misstrauen und Fehlinformationen überschattet wird.

 

Die Studie von Törnberg und Chueri liefert uns wertvolle Erkenntnisse über die Rolle von Fehlinformationen in der Politik und deren Nutzung durch radikal-rechte Populisten, die damit ihre Macht sichern und ausbauen. Sie fordern uns auf, Fehlinformationen nicht nur als isoliertes Phänomen zu betrachten, sondern als integralen Bestandteil eines politischen Projekts, das bewusst darauf abzielt, die öffentliche Wahrnehmung in eine bestimmte Richtung zu lenken.

 

Fazit

Diese Studie hilft uns, das Zusammenspiel zwischen Populismus, radikal-rechtem Aktivismus und der Verbreitung von Fehlinformationen besser zu verstehen. Besonders in einer Zeit, in der soziale Medien eine immer größere Rolle spielen, wird es immer wichtiger, hinter die Kulissen dieser Fehlinformationen zu blicken. Die politischen Eliten, insbesondere radikal-rechte Populisten, setzen Fehlinformationen gezielt als Werkzeug ein, um ihre Macht zu festigen und die Demokratie zu destabilisieren. In Anbetracht dieser Erkenntnisse ist es dringend erforderlich, dass zukünftige Forschungen und politische Strategien sich verstärkt mit der Rolle von Fehlinformationen als politischem Instrument auseinandersetzen, um die Demokratie zu schützen und das Vertrauen in die Wahrheit zu bewahren.

 

 

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