­
 · 

Höttges' gefährlicher Bürokratie-Abbauwahn: Der Angriff auf den Staat nach Musk-Vorbild

Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom AG. © Deutsche Telekom AG
Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom AG. © Deutsche Telekom AG

DMZ –WIRTSCHAFT ¦ A. AeberhardTimotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom AG. © Deutsche Telekom AG

KOMMENTAR

 

Der Telekom-Chef Timotheus Höttges fordert, wie auch einige politische Akteure in den USA, drastische Bürokratieabbauten und einen radikalen Umbau der staatlichen Verwaltung. Doch die Vorschläge, die er im Einklang mit Elon Musk und dessen sogenannten "Department of Government Efficiency" (DOGE) vorbringt, sind nicht nur gefährlich, sondern auch zutiefst undurchdacht.

 

Die Idee eines radikalen "Bürokratieabbaus", wie sie in den USA unter Musk durchgesetzt wurde, hat bereits katastrophale Auswirkungen gezeigt. Unter dem Vorwand der Effizienzsteigerung wurden in den USA bereits 100.000 Staatsdiener entlassen, mit massiven Auswirkungen auf die öffentliche Verwaltung und die Funktionsfähigkeit des Staates. Ämter wie die Umweltschutzbehörde, die in einer Demokratie unverzichtbare Aufgaben wahrnimmt, sehen sich nun mit drastischen Personalabbauten konfrontiert. Auch die Abwicklung der US-Entwicklungshilfebehörde USAID zeigt, wie kurzfristige, ideologische Einsparungen langfristig enorme Schäden anrichten können. Zudem wird der radikale Kurs von Kritikern als demokratiegefährdend bezeichnet, da politische Unliebsamkeit zu Entlassungen führt und das Verwaltungssystem einer Säuberung unterzogen wird.

 

Höttges fordert nun, Europa solle diesem Modell folgen – ein Vorhaben, das in seiner Absurdität kaum zu übertreffen ist. Europa hat nicht nur eine andere politische Struktur und Geschichte, sondern auch eine völlig andere Verantwortung gegenüber seinen Bürgern. Die Telekommunikationsbranche mag von strenger Regulierung betroffen sein, doch die Vorstellung, diese Regulierung zu zerstören, wird weder den Bürgern noch den Unternehmen langfristig zugutekommen. Ein effizienter Staat ist nicht gleichbedeutend mit einem Staat ohne Kontrolle, der einzig auf die Bedürfnisse von Großunternehmen Rücksicht nimmt.

 

Die Realität zeigt, dass solche radikalen Sparmaßnahmen die Grundlage des Sozialstaates untergraben, öffentliche Sicherheit gefährden und essenzielle Dienstleistungen in den Hintergrund drängen. Statt den massiven Personalabbau in der Verwaltung zu fordern, sollten wir eher darüber nachdenken, wie die Verwaltung so reformiert werden kann, dass sie bürgernah, transparent und effektiv arbeitet. Der Weg über die Zerschlagung staatlicher Strukturen nach dem Modell eines Tech-Milliardärs führt ins Chaos und untergräbt das Vertrauen der Bürger in die Regierung.

 

Es ist an der Zeit, dass wir uns fragen: Möchten wir eine Gesellschaft, die von der Vision eines Milliardärs geprägt ist, der staatliche Strukturen nach Unternehmenslogiken umgestaltet? Oder wollen wir ein Europa, in dem der Staat als stabilisierende, verantwortungsvolle Instanz wahrgenommen wird – nicht als ein freies Spiel der Marktkräfte? Höttges' Forderungen müssen entschieden zurückgewiesen werden.


Fehler- und Korrekturhinweise

Wenn Sie einen Fehler entdecken, der Ihrer Meinung nach korrigiert werden sollte, teilen Sie ihn uns bitte mit, indem Sie an intern@mittellaendische.ch schreiben. Wir sind bestrebt, eventuelle Fehler zeitnah zu korrigieren, und Ihre Mitarbeit erleichtert uns diesen Prozess erheblich. Bitte geben Sie in Ihrer E-Mail die folgenden Informationen sachlich an:

  • Ort des Fehlers: Geben Sie uns die genaue URL/Webadresse an, unter der Sie den Fehler gefunden haben.
  • Beschreibung des Fehlers: Teilen Sie uns bitte präzise mit, welche Angaben oder Textpassagen Ihrer Meinung nach korrigiert werden sollten und auf welche Weise. Wir sind offen für Ihre sinnvollen Vorschläge.
  • Belege: Idealerweise fügen Sie Ihrer Nachricht Belege für Ihre Aussagen hinzu, wie beispielsweise Webadressen. Das erleichtert es uns, Ihre Fehler- oder Korrekturhinweise zu überprüfen und die Korrektur möglichst schnell durchzuführen.

Wir prüfen eingegangene Fehler- und Korrekturhinweise so schnell wie möglich. Vielen Dank für Ihr konstruktives Feedback!


 

Unterstützen Sie uns jetzt!

Seit unserer Gründung steht die DMZ für freien Zugang zu Informationen für alle – das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Wir möchten, dass jeder Mensch kostenlos faktenbasierte Nachrichten erhält, und zwar wertfrei und ohne störende Unterbrechungen.

Unser Ziel ist es, engagierten und qualitativ hochwertigen Journalismus anzubieten, der für alle frei zugänglich ist, ohne Paywall. Gerade in dieser Zeit der Desinformation und sozialen Medien ist es entscheidend, dass seriöse, faktenbasierte und wissenschaftliche Informationen und Analysen für jedermann verfügbar sind.

Unsere Leserinnen und Leser machen uns besonders. Nur dank Ihnen, unserer Leserschaft, existiert die DMZ. Sie sind unser größter Schatz.

Sie wissen, dass guter Journalismus nicht von selbst entsteht, und dafür sind wir sehr dankbar. Um auch in Zukunft unabhängigen Journalismus anbieten zu können, sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen.

Setzen Sie ein starkes Zeichen für die DMZ und die Zukunft unseres Journalismus. Schon mit einem Beitrag von 5 Euro können Sie einen Unterschied machen und dazu beitragen, dass wir weiterhin frei berichten können.

Jeder Beitrag zählt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


Kommentare: 0