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AT: Erneuerbare Energien: Österreich braucht bessere Rahmenbedingungen für den Ausbau

DMZ –  POLITIK ¦ MM ¦ Lena Wallner ¦

 

Evaluierung des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes zeigt: Photovoltaik und Biomasse auf Kurs, Wind- und Wasserkraft mit Herausforderungen

 

Wien – Die Umsetzung des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG) schreitet voran, doch die Fortschritte variieren je nach Energieträger. Laut dem Evaluierungsbericht 2024 (III-104 d.B.) werden die Ausbauziele für Photovoltaik und Biomasse voraussichtlich erreicht. Demgegenüber bleibt die Entwicklung bei Wind- und Wasserkraft hinter den Erwartungen zurück. Die Analyse des seit 2021 bestehenden Fördersystems verdeutlicht, dass zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind, um die angestrebte Stromversorgung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien bis 2030 zu realisieren.

 

Photovoltaik als Erfolgsgeschichte

Die Photovoltaik erlebt einen Boom. Neben verbesserten Fördermechanismen und gesunkenen Anschaffungskosten haben insbesondere die Energiekrise und gestiegene Strompreise zu einem rasanten Ausbau beigetragen. Um die Integration ins Stromnetz weiter zu fördern, empfiehlt der Bericht, Batteriespeicher gezielt zu unterstützen. Zudem soll die Umsatzsteuerbefreiung für Anlagen bis 35 kWp über 2024 hinaus verlängert werden, um Bürokratie zu reduzieren und Investitionen anzureizen.

 

Windkraftausbau bleibt hinter Erwartungen zurück

Trotz ihrer essenziellen Bedeutung für die Stromversorgung im Winter droht die Windkraft die Zielvorgaben zu verfehlen. Fehlende Flächenwidmungen, langwierige Genehmigungsprozesse sowie unzureichende Kapazitäten in Umspannwerken bremsen den Ausbau. Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung stellt eine Herausforderung dar. Die Marktprämienförderung wird von Branchenvertretern zwar positiv bewertet, doch fehlte es zuletzt an Wettbewerb bei den Ausschreibungen, was die Dynamik hemmt.

 

Wasserkraft stößt an natürliche Grenzen

Als tragende Säule der österreichischen Energieversorgung stößt die Wasserkraft zunehmend an ihre Ausbaugrenzen. Die noch verbleibenden Potenziale sind begrenzt, da die meisten wirtschaftlich und ökologisch nutzbaren Standorte bereits erschlossen sind. Der Bericht empfiehlt daher eine verstärkte Förderung der Revitalisierung bestehender Anlagen, während neue Projekte nur unter strengen Nachhaltigkeitskriterien umgesetzt werden sollten.

 

Biomasse: Potenzial vorhanden, aber Maßnahmen erforderlich

Die Biomasse spielt eine wichtige Rolle in der Dekarbonisierung des Wärmesektors und birgt auch Potenzial für die Stromerzeugung. Die Zielmarke von 1 TWh zusätzlicher Stromerzeugung könnte erreicht werden, wenn Ausschreibungs- und Vergabevolumen ausgeweitet werden. Besonders Biomasse-Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) sollten so gefördert werden, dass sie flexibel auf saisonale Schwankungen reagieren können.

 

Erneuerbare Gase: Rechtliche Regelungen fehlen

Während Biogasanlagen das Potenzial hätten, zur Netzstabilität beizutragen, behindern unklare rechtliche Rahmenbedingungen deren Ausbau. Auch fehlen Anreize für eine markt- und netzdienliche Betriebsweise. Der Bericht fordert daher eine Anpassung der Regulierungen, insbesondere die Einführung eines Erneuerbaren-Gas-Gesetzes, um Investitionen in diesen Bereich anzukurbeln.

 

Energiegemeinschaften: Österreich als europäischer Vorreiter

Seit 2021 können in Österreich Energiegemeinschaften gegründet werden – ein Modell, das im europäischen Vergleich als Vorbild gilt. Die Zahl der Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG) stieg bis Mitte 2024 auf 1.650, während Bürgerenergiegemeinschaften (BEG) und gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen (GEA) ebenfalls deutlich zulegten. Dies zeigt das große Interesse an dezentraler Energieversorgung, die eine wichtige Rolle bei der Energiewende spielt.

 

Fazit: Nachbesserungen nötig

Der Evaluierungsbericht macht deutlich, dass das EAG wichtige Impulse gesetzt hat, aber gezielte Nachbesserungen notwendig sind. Während Photovoltaik und Biomasse gut auf Kurs sind, braucht es für Wind- und Wasserkraft bessere Rahmenbedingungen, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen. Eine Anpassung rechtlicher Vorgaben, eine effizientere Flächenwidmung und beschleunigte Genehmigungsverfahren könnten dazu beitragen, die Energiewende in Österreich weiter voranzutreiben.

 

 

 

Herausgeber / Quelle: Parlamentskorrespondenz Österreich ¦ 


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